Tragen Allgemein

Es gibt viele Möglichkeiten ein Baby oder auch ein Kind zu tragen.

Die gängigsten Methoden sind das Tragetuch oder eine fertige Tragehilfe.
Sowohl für das Tragetuch als auch für eine Fertigtragehilfe gelten ein paar wichtige Kriterien, die es es Ihnen und auch Ihrem Baby/Kind leichter und bequemer machen:

Ein Baby kommt mit einem runden Rücken auf die Welt.

Die Wirbelsäule des Neugeborenen befindet sich nach der Geburt zunächst in der Totalkyphose (Krümmung) und streckt sich innerhalb 3 Phasen, während des ersten Lebensjahres.
Die Streckung der Wirbelsäule ist abgeschlossen, wenn das Kind frei stehen kann und beginnt zu laufen.

Die Streckung der Wirbelsäule verläuft in drei Phasen:

  • Streckung der Halswirbelsäule → Diese ist abgeschlossen wenn das Kind seinen Kopf, aus der Bauchlage heraus, etwa eine Minute frei halten kann.
  • In der zweiten Phase, nach der Streckung der Halswirbelsäule, strecken sich die Brustwirbel → dies ist abgeschlossen wenn das Kind selbstständig sitzen kann.
  • Die dritte Streckung betrifft die Lendenwirbelsäule → erst wenn das Kind frei, sicher laufen kann, ist diese abgeschlossen und die Wirbelsäule hat ihre, für den Menschen typische doppelte S-Form. Aus diesem Vorgang resultieren die unterschiedlichen Bedürfnisse der Wirbelsäule, welche im Idealfall, beim Tragen des Kindes erfüllt werden sollen.
  • Bild: Baby im Tuch und Kopf gestützt

    Kopfstütze:

    Ein Baby kann seinen Kopf noch nicht lange selbstständig halten. Daher ist es sehr wichtig, dass die Tragehilfe eine gute Kopfstütze besitzt, welche einem Baby oder einem schlafenden Kind gestattet den Kopf abzustützen.

    Stützung des Rückens:

    Schläft ein Kind ein erschlafft seine Rückenmuskulatur und die Wirbelsäule rundet sich in ihre urspüngliche runde Form. Nun ist es unbedingt erforderlich, dass die Tragehilfe es zuläßt den Rücken rund werden zu lassen. Der Rücken darf, aufgrund der noch nicht ausgebildeten Bandscheiben, nicht gerade gedrückt werden. Ebenso ist eine seitliche Stützung des Rückens wichtig, ansonsten könnte die Wirbelsäule zu einer Seite kippen und das Kind in eine unangenehme und unphysiologische Schiefhaltung geraten. Schlafend müssen alle Wirbel ausreichend abgestützt sein und die Wirbelsäule sollte von der Tragehilfe wie eine feste Bandage schützend umschlossen werden.

    Die Tragehilfe muss so beschaffen sein, dass der RUNDE Rücken in jeder Phase seiner Entwicklung/Streckung gut abgestützt ist. Die Tragehilfe sollte sich so cm für cm anpassen lassen, damit das wachsende,sich in den Maßen verändernde Kind, in der Tragehilfe sicher aufgehoben ist. Wenn das Baby, dessen Wirbelsäule noch nicht ausgereift ist, in der Trage einen gerade Rücken machen muss, überträgt sich jeder Stoß, jeder Schritt der Trägerin direkt auf die gerade gedrückte Wirbelsäule des Kindes.

    Für die Hüftentwicklung ist es unerläßlich, dass:

  • es dem Kind ermöglicht wird in einer Anhock-Spreiz-Haltung der Beine getragen zu werden. Das heißt in Maßen: eine Anhockung der Beine um etwa 110° und eine Abspreizung der Oberschenkel um jeweils 45° je Hüfte. Nur so kann sich der Oberschenkelkopf mittig in das noch unreife Hüftgelenk einfügen und die Entwicklung der Hüfte optimal fördern(eine Froschhaltung der Beine ist niemals eine korrekte Anhock-Spreiz-Haltung!)
  • die Oberschenkel des Kindes von Kniekehle zu Kniekehle abgestützt werden. Hängen die Oberschenkel herunter, ist der Steg der Tragehilfe zu klein und das Kind sitzt mit seinem ganzen Gewicht auf seinen Genitalien/Symphyse. Am Anfang mag es noch so ausschauen, als ob das Kind die Beinchen selber hoch halten kann, allerdings reicht die Kraft hierfür oftmals nicht sehr lange.
  • das Becken des Kindes gekippt ist. Zu einer optimalen Anhock-Spreiz-Haltung der Beine ist es unerläßlich, dass das Becken des Kindes nach vorne gekippt ist und sich somit der Rücken im Lendenwirbelbereich runden kann. Nur so kann, während des Tragens, die Hüfte, welche beim Baby noch nach vorne orientiert ist, in ihrer Entwicklung optimal gef ördert und unterstützt werden.
  • Tragen Sie Ihr Kind bitte immer so, dass sein Gesicht Ihnen zugewandt ist.

    Bild: Baby im Tuch und Kopf gestützt

    So kann sich das Kind jederzeit an Sie kuscheln und den Blickkontakt zu Ihnen halten. Es kann sich rückversichern, wenn es unsicher ist,Angst hat oder eine Situation nicht ganz für sich einschätzen kann. Bei Trageweisen auf der Hüfte oder vor dem Bauch sehen sie immer das Gesicht/die Stimmung ihres Kindes und können schnell handeln, wenn das Kind sich einmal an etwas Essbarem verschluckt hat oder eine lästige Biene abzuwehren ist. Sein Rücken kann sich runden und die Beine können abgestützt werden. Wenn das Kind müde wird, kann es seinen Kopf gegen ihren Körper legen und einschlafen. Da die Hüften des Babys noch nach vorne orientiert sind und sich erst mit der Streckung der Lendenwirbelsäule, also ab dem Zeitpunkt ab dem das Kind selbstständig sitzen kann, nach unten orientieren befindet sich ein Baby, welches mit nach unten hängenden Beinchen getragen wird in einem unphysiologischen Hohlkreuz.

    Für den Tragenden gilt:

  • je breiter die Träger, desto angenehmer und länger kann ich tragen
  • je fester ich mein Kind an mich binden kann, desto weniger muß mein Rücken Schwankungen und eventuelle Eigenbewegungen des Kindes ausgleichen. Dies wird auf die Dauer sehr mühsam und schmerzhaft.